Kater Johnny und das eosinophile Granulom

Kater Johnny und das eosinophile Granulom

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Katze Johny Eosinophiles GranulomJedes Jahr der gleiche Mist für Kater Johnny …

gerade tollte er noch mit seinem Katzenfreund durch den Garten und nun ist schon wieder April und er wird von chronischem quälendem Juckreiz gequält! Im August ist der Spuk dann vorbei und es liegen wieder ein paar beschwerdefreie Monate vor dem kleinen Kerl.

Doch was quält Johnny jedes Jahr aufs Neue?

 

Der eosinophile Granulomkomplex bei Katzen

Erkranken Katzen an einer der drei Formen des Eosinophilen Granulomkomplexes leiden sie vor allem unter Haut- und Schleimhautveränderungen, die häufig mit mit Juckreiz und Schmerzen verbunden sind. Durch die Zerstörung der schützenden Hautbarriere kommt es zusätzlich zu sogenannten Sekundärinfektionen, die das Leiden der betroffenen Tiere vergrößern. Obwohl der eosinophile Granulomkomplex recht einfach erkannt werden kann, gestaltet sich die Therapie als herausfordernd.

Der eosinophile Granulom-Komplex besteht aus drei Einzelerkrankungen. Katzen können nur an eine dieser Formen oder auch an alle erkranken. Der eosinophile Granulomkomplex kann immer in Schüben vorkommen oder auch vollständig ausheilen.

Namensgebend ist die Beteiligung der eosinophilen Granulozyten. Das sind weiße Blutzellen, die vor allem bei der Regulation von allergischen Reaktionen und beim Parasitenbefall eine Rolle spielen.

Leider konnte bisher nicht geklärt werden, was die genaue Ursache des eosinophilen Granulomkomplexes ist. Man geht aber davon aus, dass Allergien eine entscheidende Rolle spielen.

Die drei Einzelerkrankungen sind durch ihr Aussehen und den Ort der Hautveränderungen gut voneinander abzugrenzen. Mehr über die Krankheitsformen findest du hier:

 

So sieht es aus

Der Eosinophile Ulkus tritt im Bereich der Lippen, Maulschleimhaut, Zunge und des Gaumens auf. Oft ist die obere Maullippe stark angeschwollen und ulzertiert, was bedeutet, das die Struktur der Oberfläche zerstört ist. Betroffene Katzen leiden kaum unter Juckreiz, können aber schmerzhaft reagieren.

So erkennt man es

Klinisch gibt es kaum eine Differentialdiagnose zu einem klassischen Eosinophilen Ulkus. Mittels einer Abklatschprobe kann man die namensgebenden eosinophilen Granulozyten nachweisen. Durch die Zerstörung der Hautbarriere kommt es oft zu bakteriellen Sekundärinfektionen, welche auch auf der Abklatschprobe nachgewiesen werden können. Man kann zwar den Keim nicht identifizieren, weiß hinterher aber dass Bakterien eine Rolle spielen. Möchte man eine genaue Diagnostik muss zwangsläufig eine Bakteriologische Untersuchung und ein Antibiogramm angefordert werden.

Eine Biopsie liefert immer eine definitive Diagnose und hilft außerdem bei der Abgrenzung zu einem Tumor.

Das kann man dagegen tun

Sind Bakterien beteiligt erfolgt eine bis zu 4-wöchige Antibiotikatherapie. Daran ist Cortison das Mittel der Wahl. Dies kann nach Verschwinden der Symptome langsam ausgeschlichen werden.

Die Eosinophilen Plaques sind kreisrunde haarlose Hautveränderungen, die meist nässen und gerötet sind. Teilweise sind sie durch den begleitenden sehr starken Juckreiz schon aufgekratzt und stellen sich als offene Wunden dar. Oft ist der Bereich unter den Ohren, die Innenschenkel und die Achseln betroffen. Auch eine bakterielle Sekundärinfektion kommt vor.

So erkennt man es

Auch hier ist die Abklatschprobe wieder das Mittel der Wahl. Eine Biopsie liefert verlässlichere Ergebnisse und wird meist genutzt um einen Tumorverdacht zu entkräften

Das kann man dagegen tun

Auch hier gilt es zuerst die bakterielle Infektion und dann die eigentlich Grunderkrankung zu behandeln. Daher startet man mit einer Antibiose und wechselt dann zu einer Cortisontherapie. Inzwischen weiß man, dass oft Allergien zu Grunde liegen, daher ist es wichtig eine eventuelle Futtermittelallergie auszuschließen.

So sieht es aus

Der Namensgeber dieser Erkrankung ist an den knotenartigen unregelmäßigen Hautveränderungen vor allem an den Hinterbeinen, Pfoten und im Maul zu erkennen. Oft ist auch das Kinn betroffen, was letztendlich zu Problemen beim Fressen führt. Betroffene Katzen zeigen kaum Juckreiz oder Schmerzen.

So erkennt man es

Eine sichere Diagnostik liefert hier eine Biopsie. Jegliche Tumorerkrankungen der Haut könnten ein ähnliches Bild liefern und müssen als mögliche Ursache ausgeschlossen werden.

Das kann man dagegen tun

Bei jüngeren Tieren kommt es manchmal zur alleinigen Abheilung der Hautveränderungen. Ansonsten ist auch hier wieder Cortison oder Ciclosporin das Mittel der Wahl. Beide Medikamente unterdrücken das körpereigene Immunsystem.

 

Das eosinophile Granulom von Johnny

Johnnys Probleme treten jedes Jahr im selben Zeitraum auf. Es beginnt immer mit einem starken unkontrollierbarem Juckreiz und nach einer gewissen Zeit entwickeln sich Eosinophile Plaques. Um Johnnys Haut vor seinen Krallen zu schützen, trägt er kleine Füßlinge. Trotzdem kommt es zur Entwicklung von tiefen Wunden und Haarausfall im betroffenen Bereich.

Folgende Bilder zeigen Johnnys Krankheitsbild sehr eindrucksvoll

Natürlich wurde Johnny beim Tierarzt vorgestellt wo nach der Entnahme von Hautproben die Diagnose Eosinophiles Granulom gestellt wurde.

Er wurde entsprechend behandelt, doch ein Erfolg wollte sich bisher nicht einstellen. Der Juckreiz reagiert mal mehr, mal weniger gut auf das verabreichte Cortison.

Was könnte noch für Johnny getan werden

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen habe ich mir aktuelle Veröffentlichungen zum Thema angesehen. Fälle wie der von Johnny sind nicht selten, eine immer wiederkehrende Symptomatik, die trotz klassischer Therapie nicht vollständig abheilt. Die jährliche Rhythmik deutet darauf hin, dass bei Johnny eine Allergie Auslöser des Eosinophilen-Granulom-Komplexes ist. Die Schwierigkeit liegt nun darin den Auslöser zu erkennen.

Die häufigsten auslösenden Allergene sind Futtermittel, Flohspeichel, Mückenbisse und alle möglichen Kontaktallergene innerhalb des Haushalts und draußen in der Umgebung von Johnny. Du merkst schon…das ist eine ellenlange Liste, die da zusammen kommt..

Da Johnnys Symptome auf eine Jahreszeit beschränkt sind und kein parasitärer Befall vorliegt, kann man sowohl die Futtermittelallergie als auch eine Reaktion auf Krabbeltierchen ausschließen. Eine Kontaktallergie zu einem Stoff, der nur im Frühjahr vorkommt ist also am wahrscheinlichsten. Dabei muss man vor allem an Pflanzen denken.

Da eine genaue Bestimmung des Allergens kaum möglich sein wird, kann man um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen die IgE Level im Blut bestimmen. IgEs sind Immunglobuline, die vor allem bei Allergien vermehrt produziert werden.

Wichtige ist es auch weitere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen können auszuschließen. Hier ist vor allem an FelV, FIV und Toxoplasmose zu denken. Gerade vor Einleiten einer immunhemmenden Therapie sollte man diese Erkrankungen ausschließen um die Gefahr eines Ausbruchs und Foranschreiten zu vermindern.

Die Autoren im aktuellen Paper weisen darauf hin, dass auch wenn die histopathologische Diagnose eines EGC feststeht, die Erkrankung aber nicht auf die Standardtherapie anspricht, erneut eine Hautprobe genommen werden muss um mögliche Fremdkörperreaktionen, Viren und Tumorerkrankungen auszuschließen.

Medikamentelle Therapie

Meistens sprechen Erkrankungen des EGCs sehr gut auf Cortison an. Eine tägliche Therapie ist dabei einem Depotcortison vorzuziehen, da man im Notfall auch die Therapie abbrechen kann oder die Dosis problemlos erhöhen kann. Nach Abklingen der Symptome wird das Cortison erst reduziert und dann wenn möglich vollständig abgesetzt.

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Ciclosporine wirken ebenfalls immunmodulierend. Verschiedene Studien konnten zeigen dass Ciclosporine sehr gut wirken. Mit nur 1x Anwendung am Tag wird begonnen um auch hier nach Abklingen der Symptome den Behandlungsrhythmus zu vergrößern.

Eine mögliche Alternative, die nur lokal wirkt ist das Hydrocortison. Dadurch ist die Gefahr von Nebenwirkungen deutlich reduziert. Die Wirkung gegen die Erkrankungen des EGC ist sehr gut. Meist kann eine deutliche Verbesserung der Symptom

e innerhalb von 14 Tagen erreicht werden.

Ist das EGC immer noch nicht abgeheilt kann Chlorambucil verwendet werden. Chlorambucil ist ein Chemotherapeutikum welches zellschädigend und immunsupprimierend wirkt, daher kann es auch starke Nebenwirkungen haben.

Eine letzte Möglichkeit bietet Interferon, welches mittels einer Injektion verabreicht wird. Die genaue Funktionsweise ist nicht bekannt und aktuell gibt es auch keine klinische Studie, die die Wirkung von Interferon auf die Erkrankungen des EGC Komplexes untersucht.

Fazit

Wie du schon gemerkt hast ist das Eosinophile Granulom keine Erkrankung, die leicht zu therapieren ist. Eine mögliche Allergie im Hintergrund kann das Ganze richtig verkomplizieren, allerdings gibt es inzwischen auch einige andere Therapieoptionen als das meist verwendete Cortison.

Quellen

Krankheiten der Katze: Begründet von Vera Schmidt und Marian C. Horzinek

BSAVA Manual of Feline Practice: A Foundation Manual (BSAVA - British Small Animal Veterinary Association)

Feline Eosinophilic Granuloma Complex(ities): Some clinicla clarification - Laura Buckley and Tim Nuttall

Eine Antwort

  1. susanna
    | Antworten

    Unser Kater hatte im Alter von 8 Monaten das Eosinophile Granulom entwickelt. Es hat sich durch Biopsie auch bestätigt. Wir hatten das Kortison nicht gegeben. Stattdessen eine homöopathische Behandlung durch einen Tierarzt gemacht und seitdem ist er beschwerdefrei. Wir achten beim Futter auf zuckerfrei, getreidefrei und ohne Konservierungsstoffe. Heute ist unser Kater 3 Jahre alt und gesund.
    Es wäre vielleicht erwähnenswert in Ihrem Bericht dass auch solch eine Behandlung zum Erfolg führen kann.
    Die homöopathischen Mitteln waren Arsenicum C30 und danach Nux Vomica C30. Sie wurden auf den Typ des Katers gewählt nach der klassischen Homöopathie.
    Herzliche Grüße
    Susanna Sbrzesny

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