Kastration Katzen und Kater: Alles was du wissen musst!

Kastration Katzen und Kater: Alles was du wissen musst!

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Wieso kastrieren wir KatzenKastration Katzen und Kater: Alles was du wissen musst. Dr Schnurr erklärts

Ich bin verwundert, dass sich viele Leute noch so vehement gegen die Kastration von Katzen stellen. Eine Katze kann jedes Jahr 2 – 3 x werfen. Dabei werden 2 – 5 Jungtiere geboren. Wenn nur je 3 Tiere überleben, sind das in 10 Jahren über 80 Millionen Kätzchen und das von nur einem Katzenpaar..

Es leben derzeit knappe 28 Millionen Hauskatzen in Europa! Wenn wir also nicht jedes Jahr von Kitten überschwemmt werden wollen, müssen wir unsere Tiere kastrieren!Click To Tweet

Wann ist der beste Zeitpunkt

Es gibt viele Gerüchte um den optimalen Zeitpunkt der Kastration. In Europa ist die Kastration im Alter von 6 – 9 Monaten verbreitet.

Eine Katze wird mit ca 6 Monaten geschlechtsreif. Um eine ungewollte Trächtigkeit zu vermeiden solltest du sie davor kastrieren.

 

In den USA hat sich inzwischen auch die Frühkastration durchgesetzt. Hier werden die Tiere im Alter von 2 Monaten kastriert. Auch das hat sich als recht komplikationslos erwiesen.

Oft bietet sich die Frühkastration bei Streunerkatzen an. Die Wahrscheinlichkeit die gleichen Tiere nochmal einzufangen ist schließlich gering und wenn man sie sofort kastriert, kann man sicher gehen, dass sie keine Nachkommen mehr zeugen.

Auch während deine Katze rollig ist kann kastriert werden. Die Fortpflanzungsorgane sind in dieser Phase zwar stärker durchblutet, dadurch sind die Gefäße für den Tierarzt aber auch besser zu sehen.

Der Abend davor

Viele Katzen reagieren mit Übelkeit auf die Narkose. Manchmal erbrechen sie sogar. Das kann sehr gefährlich sein, wenn die Katze schon im Halbschlaf ist. Sie könnte an dem Erbrochenen ersticken.

Um das zu vermeiden muss deine Katze nüchtern zu der Operation erscheinen. Je nach dem wann du den Termin hast, darf deine Katze schon am Abend vorher kein normales Futter mehr bekommen. Wasser sollte sie aber immer zur Verfügung haben.

Also achte darauf, dass das Futter abends weggestellt ist oder deine Katze ausgesperrt ist, wenn du die anderen Katzen füttert.

Was passiert bei einer Kastration.

Einfach gesagt: Bei einer Kastration werden die Hoden oder Eierstöcke deines Tigers entfernt.

Gut zu wissen: In Narkose liegende Katzen blinzeln nicht mehr, dadurch können die Augen austrocknen. Um das zu vermeiden wird eine Augensalbe vor dem Eingriff in die Augen gegeben.

Kastration Kater

Die Kastration beim Kater ist ein Eingriff, der oft ohne Komplikationen durchgeführt wird. Dein Kater bekommt eine Narkose und Schmerzmittel und schläft ein.

Die Tierärztin wird das Fell auf dem Hodensack abzupfen. Dann wird der Bereich desinfiziert. Mit einem Skalpell wird ein kleiner Schnitt auf dem Hodensack gesetzt und der Hoden vorgeschoben.

Mit einer Klemme wird der Hoden festgehalten. Die Verbindung mit dem Körper nennt man den Samenstrang. Hier verlaufen die Blutgefäße und der Samenleiter. Diese Strukturen können entweder mit einem Faden abgebunden werden oder einfach miteinander verknotet werden. Das hat den Vorteil, dass kein Fremdkörper (der Faden) in der Wunde zurückbleibt. Nach dem Abbinden, wird der Hoden abgetrennt. Blutet nichts nach, ist die zweite Seite dran.

Der anfängliche Schnitt wird nicht vernäht, sondern wächst von alleine zu. Er ist nur 1 cm lang und verheilt ohne Faden besser.

Gut zu wissen: Ein Kater bleibt noch 6 Wochen nach der Kastration zeugungsfähig, da im Samenstrang noch lebende Spermien vorhanden sein können!Click To Tweet

Das Video einer Katerkastration findest du hier: Klick!

Kastration Katze

Die Kastration der Katze ist etwas aufwändiger, weil die Bauchhöhle geöffnet werden muss.

Der Tierarzt rasiert und desinfiziert den Bauch deiner Katze. Dann setzt er einen circa 2 cm langen Schnitt. Mit dem Kastrationshaken lagert er einen Eierstock vor.

Anders als beim Hoden wird der Eierstock der Katze doppelt mit Blut versorgt. Bei der Kastration muss darauf geachtet werden, dass beide Gefäße gut abgebunden werden.

Ist das geschehen, kann der zweite Eierstock entfernt werden.

Die Bauchhöhle wird in 3 Schichten vernäht (Bauchhöhle, Unterhaut, Haut). Die Naht kann mit einem Pflaster abgedeckt werden.

Das Video einer Kastration bei der Katze findest du hier: Klick!

Die Zeit danach

Nach der Kastration braucht dein Stubentiger etwas Zeit um sich zu erholen. Dein Tierarzt wird ihn erst wieder in deine Obhut geben, wenn er wirklich wach ist.

Kater stecken das Ganze in der Regel etwas besser weg und sind schneller wieder auf dem Damm. Katzen brauchen meist etwas länger, da der Eingriff durch die Eröffnung der Bauchhöhle auch schwerwiegender ist.

Vor der OP und direkt danach bekommen die Tiere Schmerzmittel.

Meistens bekommst du auch noch etwas für zu Hause mit. Viele Tiere belasten sich aber unter Schmerzmitteln zu schnell zu stark. Daher kann es im Einzelfall sinnvoll sein keine Schmerzmittel zu geben. So sind die Tiere etwas ruhiger und die Wahrscheinlichkeit, dass die Naht aufreist ist geringer.

Viele Katzen neigen dazu die Wunde mit den Zähnen zu bearbeiten. Um das zu vermeiden bekommt dein Tiger nach der OP einen Kragen. Bei weiblichen Tieren sind auch Bodys verbreitet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für alle Fälle einen Kragen mitnehmen sollte, aber doch weniger Katzen als erwartet an die Wunde gehen.

Hast du deine Mieze nach Hause bekommen, lohnt es sich sie in einem ruhigen Zimmer entspannen zu lassen. Eventuell möchte sie noch ein weiteres Nickerchen machen. Lasse sie einfach in der Box bei offener Tür, oder mach ihr ein Bettchen auf dem Boden zu recht. Lege sie nicht aufs Bett oder Sofa. Durch die Nachwirkungen der Narkose könnte sie noch unkoordiniert sein und herunter fallen.

Eine Zusammenführung mit dem Katzenfreund, sollte erst erfolgen, wenn deine Katze wieder richtig wach ist.

14 Tage nach der Kastration werden bei der Katze die Fäden gezogen. Wurden selbst auflösende Fäden verwendet und geht es deiner Katze gut, musst du sie nicht nochmal bei deinem Tierarzt vorstellen.

Vorteile

Ausbleiben der Rolligkeit

Deine Katze wird nicht mehr rollig. Dies ist nicht nur anstrengend für dich, sondern stellt auch eine große Belastung für deine Katze dar. Hat deine Katze keinen Kontakt mit einem potenten Kater kann sich eine Dauerrolligkeit entwickeln. Sie entsteht auf Grund eines hormonellen Ungleichgewichts, weil deine Katze nicht tragend wird.

Stoppen des Markierverhalten

Geschlechtsreife Kater beginnen oft ihr Umfeld zu markieren. Die Kastration bietet keine 100 % ige Sicherheit, dass es danach aufhört. Aber bei vielen Tieren reicht es um das ungewünschte Verhalten zu beenden.

Geringere Reviergröße

Kastriere Tiere haben einen geringeren Radius auf ihren Streifzügen und sind gegenüber Artgenossen weniger aggressiv. Dadurch bleiben sie in deiner Nähe, haben weniger Kontakt zu anderen Tieren und die Gefahr von Revierkämpfen ist deutlich vermindert.

Verminderte Verletzungsgefahr

Ob reine Verletzungen oder Erkrankungen an Feliner Leukämie und Katzenaids! Die Wahrscheinlichkeit für beides ist gemindert, weil dein Tier weniger Kontakt zu anderen Katzen hat. Ein Freigänger sollte immer gegen Leukämie geimpft sein. Mehr zu dem Thema findest du hier: Impfung Katze: Alles was du wissen musst!

Reduktion von hormonell bedingten Erkrankungen

Zysten an den Eierstöcken, Tumore der Hoden, Eierstöcke und der Milchdrüse kommen quasi nicht vor bei frühzeitig kastrierten Tieren! Tumore der Milchdrüsen sind fast immer bösartig und können so oft vermieden werden.

Erhöhte Lebenserwartung

Kastrierte Tiere leben deutlich länger als nicht kastrierte Tiere. Bei Freigängern ist das durch die obigen Vorteile leicht zu erklären. Wohnungskatzen leben allgemein länger als Freigänger.

Dein Einsatz für den Tierschutz

Die Kastration deiner Katze sorgt dafür, dass weniger Tiere in den Tierheimen auf ein neues zu Hause warten.

Nachteile

Katze wird dick

Dass die Katze von der reinen Kastration dick wird ist nicht wahr. Sie wird etwas träger, dadurch kann es natürlich sein, dass sie zunimmt, wenn du weiterhin fütterst wie bisher. Mit der Anpassung der Futtermenge kannst du das aber leicht verhindern.

Vorurteile und Mythen

Es gibt viele Vorurteile und Mythen zum Thema Kastration. Miriam von Katzen-Fieber hat dazu eine super Zusammenfassung auf ihrem Blog geschrieben.

 

Die Katze soll wenigstens einmal rollig sein oder sogar werfen!

Meine Katze lebt nur in der Wohnung, ich muss sie nicht kastrieren!

Nur Kater müssen kastriert werden, denn nur sie markieren!

Ich möchte, dass meine Katze einmal Mutterfreuden erlebt!

Die Entwicklung meiner Katze wird gestoppt, wenn ich sie kastrieren lasse!

Eine Kastration ist während der Rolligkeit gefährlicher!

Ich lasse meinem Kater den Spaß, er kann schließlich nicht tragend werden!

 

Komplikationen der Kastration

Katerkastrationen verlaufen in der Regel komplikationslos. Leichte Wundinfektionen sind noch am verbreitetsten. Im schlechtesten Fall kann die Infektion entlang des restlichen Samenstrangs aufsteigen und dann das Bauchfell betreffen. Das kommt aber nur sehr selten vor. Bisher habe ich davon einen Fall gesehen.

Auch bei der Katze handelt es sich bei der Kastration um eine Routine OP. Wundinfektionen kommen aber vor. Oft bearbeiten Katzen die Wunde selber mit den Zähnen. Dadurch kann sich die Naht lösen und wieder aufgehen.

Das allgemeine Narkoserisiko ist immer zu beachten. Ein schnelles Eingreifen, kann nur mittels eines venösen Zugangs erfolgen. In den meisten Praxen ist der aber die Ausnahme.

Wird deine Katze nach der Kastration wieder rollig, kann das an versprengtem Eierstockgewebe oder einer unvollständigen Kastration liegen.

Während der Entwicklung kommt es manchmal zur Ablagerung von hormonbildenden Zellen dort wo sie nicht hingehören. Hormone dieser Zellen lösen dann die Rolligkeitssymptome aus. Mittels Ultraschall kann es sichtbar gemacht werden und dann muss deine Katze leider noch einmal operiert werden um das Gewebe zu entfernen.

Im Rahmen einer Standardkastration sucht man nicht nach versprengtem Eierstockgewebe. Es kommt wirklich nur sehr selten vor.

Häufiger ist die nicht vollständige Kastration, bei der ein Teil des Eierstocks übersehen wurde. Auch hier muss deine Katze nachoperiert werden.

Kosten der Kastration

Je nach Praxis und Standort musst du mit 50 – 80 € für eine Kastration vom Kater und  90 – 130 € für die Kastration der Katze rechnen.

Gibt es Alternativen zur Kastration?

Nein, es gibt keine gute Alternative zur Kastration.Click To Tweet

In der Zucht werden pillenähnliche Präperate verwendet um den Zyklus der Katze zu unterbrechen und spätere Würfe besser planen zu können. Da in Deutschland tausende Kätzchen geboren werden und ein zu Hause suchen, bin ich kein Freund von Zuchten, aber das ist Thema eines anderen Posts.

Eine Sterilisation wird oft als Alternative angegeben, ist aber keine. Bei der Sterilisation wird nur der Eileiter oder Samenleiter durchtrennt. Die Hoden und Eierstöcke bleiben normal erhalten und funktionstüchtig. Dadurch zeigen die Tiere weiterhin die normalen Merkmale der Geschlechtsreife, können sich aber nicht mehr fortpflanzen.

Gesellschaftliche Akzeptanz der Kastration

Erst als ich mich mit diesem Beitrag beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass es viele Stimmen im Internet gibt, die eher zur Sterilisation raten.

Das Problem an Stimmen im Internet ist, dass man nicht weiß wer dahinter steckt. Jeder kann kommentieren und schreiben was er will. Da kann man leicht aufgrund gut gemeinter Aussagen falsche Entscheidungen treffen.

Eine Sterilisation sorgt zwar dafür, dass die Tiere keine Nachkommen mehr zeugen können, hat aber sonst nur Nachteile. Die Tiere bleiben ständig auf Partnersuche, sind sehr gestresst, markieren eventuell und geraten öfter in Revierkämpfe. Die Wahrscheinlichkeit an FIV oder Katzen Leukämie zu erkranken ist deutlich erhöht. Das eine sterilisierte Katze an Tumoren der Milchdrüsen erkrankt ist wahrscheinlicher plus die verminderte Lebenserwartung sorgt dafür, dass eine Sterilisation KEINE Alternative zur klassischen Kastration ist.

Es ist auch nicht so, dass Katzen dann wenigstens noch Spaß am Geschlechtsverkehr haben können ohne tragend zu werden. Da Kater kleine Widerhaken auf dem Penis haben, ist der reine Akt für die Katze immer mit Schmerzen verbunden.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Kastration?

Aktuell (Januar 2017) gibt es keine deutschlandweite Kastrationspflicht für Freigänger. Verschiedene Orte in Deutschland haben aber schon Gesetze erlassen. Es ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu einer deutschlandweiten Regelung kommt.

 

Hier kannst du nachschauen, wie die Kastrationspflicht in deinem Heimatort geregelt ist.

Quick Facts zur Kastration

 

Fortpflanzungsfähigkeit gestoppt

vermindertes Risiko an Katzenaids und Leukose zu erkranken

weniger Verletzungen

kleineres Revier

kein Markierverhalten mehr

vermindertes Risiko hormonbedingter Erkrankungen

längere Lebenserwartung

weniger Katzenelend

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Eine Antwort

  1. Katzen-Erfahrungen
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    Super Beitrag, sehr informativ :)!!

    Liebe Grüße vom http://www.Katzen-Erfahrungen.com- Team

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