Was der Tierarzt mit dem Urin deiner Katze anstellt!

Was der Tierarzt mit dem Urin deiner Katze anstellt!

eingetragen in: Blog, Katzenkrankheiten, Labor | 0

Die Untersuchung des Urins wird sehr häufig in einer tierärztlichen Praxis durchgeführt. Sie ist einfach, schnell, günstig und hilft dem Tierarzt die Funktionalität des Harntrakts einzuschätzen.

Sollst du Urin deiner Katze für die Untersuchung zum Tierarzt bringen, probiere Mittelstrahlurin aufzufangen. Du lässt deine Katze also erst ein bisschen pullern, bevor du den Urin auffängst. Dieser Urin ist annähernd steril und kaum verunreinigt.

Auffangen kannst du den Urin in einer sauberen Suppenkelle, danach kannst du ihn mit einer Spritze aufziehen. Die bekommst du von deinem Tierarzt.

Uringewinnung in der Praxis

Kannst du keinen Urin auffangen, kann der Tierarzt in der Praxis Urin gewinnen. Die Harnblase ist recht einfach auszudrücken und die meisten Katzen tolerieren das ohne Probleme.

Ansonsten kann man die Harnblase punktieren, dabei wird eine Nadel durch die Bauchdecke in die Blase eingeführt und ein Teil des Urins abgesaugt. Das klingt schlimmer als es ist und dauert in der Regel kaum eine Minute! Allerdings entstehen dabei zwangsläufig kleine Blutungen, die den Urin verunreinigen. Ist bekannt, dass deine Katze eine Gerinnungsstörung hat, sollte die Blase nicht punktiert werden.

Vorbehandlung der Urinprobe

Hast du deiner Katze den Urin abgeluchst, solltest du ihn entweder sofort untersuchen oder in den Kühlschrank stellen bis du ihn untersuchst oder zum Tierarzt bringst. Durch Sonneneinstrahlung und Wärme kann die eigentliche Urinanalyse verfälscht werden!

4 Hauptpunkte werden bei der Urinuntersuchung abgearbeitet: 1. Farbe&Transparanenz 2. Urin-Stick 3. spezifisches Gewicht 4. SedimentClick To Tweet

Farbe und Transparenz

Die Urinprobe deiner Katze muss gut gemischt werden und kann dann beurteilt werden.Click To Tweet

Der Urin einer gesunden Katze ist klar bis leicht trüb und geblich bis bernsteinfarben. Alle farblichen Abweichungen sind als pathologisch einzustufen. Diese können von fast farblos (Niereninsuffizienz) über rot (Blut), milchig (Fette) bis zu dunkelgelb (zu stark konzentriert) reichen.

Die häufigsten Ursachen für Verfärbungen des Urins sind enthaltenes Blut, Hämoglobin (Blutfarbstoff) oder Bilirubin (Gallenfarbstoff). Trübungen sind häufig auf Grund von enthaltenem Eiter, Kristallen oder Fett ausgelöst.

Chemische Analyse mittels standardisierter Urinteststreifen

Mit Urinteststreifen kann man leicht viele verschiedene Werte messen. Leider funktionieren nicht alle Felder bei allen Tieren, so dass man bei der Interpretation genau Bescheid wissen muss. Die Teststreifen bekommst du zum Beispiel bei Amazon*.

Die richtige Anwendung der Streifen ist aber nicht so leicht und leider werden hier oft Fehler gemacht. Möchtest du sie benutzen, achte bitte auf folgende Dinge:

  • Streifen kurz (nur 1 Sekunde) in den Urin halten
  • kurz den Rand des Streifens an dem Urinbehälter tippen um überflüssigen Urin abzutropfen
  • Streifen waagerecht hinlegen um ein Vermischen der Chemikalien zu vermeiden
  • nach der Wartezeit (siehe Packungsbehälter) Reaktionsfelder mit den entsprechenden Skalen der Teststreifen vergleichen

Folgende Testfelder sind auf den meisten Teststreifen vorhanden:

pH-Wert

Bei gesunden Katzen liegt der Urin-pH im Bereich von 5 - 8.Click To Tweet Bei einem Wert von unter 7 spricht man von einem sauren Urin-pH, liegt der Wert über 7, wird er als basisch bezeichnet.

Saure und basische pH Werte können völlig physiologisch, aber auch bei Erkrankungen vorkommen.

Zu den möglichen Ursachen eines sauren pHs zählen: Fleischfütterung, Erbrechen, Durchfall, Azidose (Übersäuerung–> Entgleisung des körperinternen pHs).

Ist der pH Wert basisch kann es an folgenden Dingen liegen: direkt nach der Fütterung, Aufnahme basischer Substanzen, Harnwegsinfektion und Alkalose (Entgleisung des Körper-pHs).

Protein

Der Proteingehalt muss immer im Zusammenhang mit dem spezifischen Gewicht betrachtet werden. Konzentrieren die Nieren den Harn gut, können leichte Spuren von Protein im Urin enthalten sein, liegt das spezifische Gewicht aber <1.035 ist das Vorkommen von Protein im Harn immer als negativ zu werten, da es einen Hinweis darauf gibt, dass die Niere so stark geschädigt ist, dass die Proteine einfach nicht mehr im Körper behalten werden sondern durch die sogenannte Harnschranke rutschen. Der Filtrationsmechanismus in der Niere ist gestört und dadurch können größere Moleküle, wie Proteine in den Harn gelangen.

Urin Protein / Kreatinin Verhältnis

Die Bestimmung des Protein/Kreatinin Verhältnisses dient der Einschätzung der Schwere von der Proteinausscheidung. Beide Konzentrationen werden im Labor gemessen und dann zueinander ins Verhältnis gesetzt.

Ist das Protein / Kreatinin Verhältnis < 0,6 können die Nieren als funktionstüchtig eingeschätzt werden. Werte < 1,0 gelten als pathologisch und deuten auf eine Erkrankung der Katze hin.

Glukose

Im Harn gesunder Tiere ist keine Glukose nachweisbar.Click To Tweet

Ist Glukose messbar ist die sogenannte Nierenschwelle für Glukose überschritten. Es ist zu diesem Zeitpunkt so viel Glukose im Blut, das die Niere nicht in der Lage ist die gesamte Menge wieder zu resorbieren und innerhalb des Körpers zu behalten.

Die häufigste Ursache ist ein Diabetis mellitus.

Ketonkörper

Bei der gesunden Katze sind keine Ketonkörper im Harn nachweisbar. Ketonkörper werden gebildet wenn Katzen verstärkt ihr körpereigenes Fett abbauen. Dies ist oft der Fall, wenn die Tiere nicht mehr fressen. Oft ist dies auch ein Hinweis auf einen Diabetis mellitus.

Bilirubin

Bilirubin tritt bei gesunden Katzen nie im Urin auf. Kannst du Bilirubin im Urin deiner Katze nachweisen ist das ein Hinweis auf eine mögliche Lebererkrankung, eine Gallengangsobstruktion (verengte Gallengänge) oder eine hämolytische Anämie. Das ist eine Erkrankung bei der aus verschiedenen Ursachen die roten Blutkörperchen verstärkt abgebaut werden. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs.

Auch nach längerer Futterverweigerung kann Bilirubin im Harn nachgewiesen werden.

Blut und Hämoglobin

Sowohl mit den Teststreifen als auch mittels mikroskopischer oder im schlimmsten Falle makroskopischer Untersuchung (sichtbar mit bloßem Auge) kann man Blut im Harn feststellen.

Wurde der Harn mittels einer Harnblasenpunktion gewonnen muss dieses Testfeld mit Bedacht interpretiert werden, da hier eine Kontamination durch die Punktion wahrscheinlich ist.

Die häufigsten Ursachen für Blut im Harn sind Infektionen der unteren und oberen Harnwege oder der Geschlechtsorgane. Aber auch Gerinnungsstörungen, Kristall- und Steinbildungen im Harntrakt, Tumorerkrankungen oder Parasiten können dieses Symtpom auslösen.

Leukozyten

Der Leukozytennachweis mittels Teststreifen ist bei Tieren sehr ungenau, daher greift man hier auf die klassische mikroskopische Untersuchung des Harnsediments zurück. Eine Verunreinigung von nicht steril genommenen Harn mit Leukozyten ist außerdem wahrscheinlich.

Spezifisches Gewicht

Die angezeigten Werte für das spezifische Gewicht sind meist sehr ungenau. Daher wird dieser Wert in der Regel nicht interpretiert und mit dem Refraktometer bestimmt.

Nitrit

Im Harn von gesunden Katzen ist kein Nitrit nachweisbar! Da das Testfeld bei Katzen nicht sehr gut funktioniert, wird auch dieses Ergebnis nicht ausgewertet.

Urobilinogen

Dieser Test ist unbedeutend und kann außer Acht gelassen werden.

Messung des harnspezifischen Gewichts (Harndichte)

Das spezifische Gewicht des Harns wird mittels eines Refraktometers* bestimmt. Das ist ein kleines Gerät, ähnlich eines Mikroskops, welches in jeder Praxis vorhanden ist. Ein Tropfen Urin wird auf die Messfläche aufgetragen, das Gerät geschlossen und schon kann man das spezifische Gewicht des Harns ablesen.

Das spezifische Gewicht hat einen sehr großen Referenzbereich.

Man geht aber allgemein davon aus, das Tiere mit einem spezifischen Gewicht von < 1.035 den Harn nicht mehr richtig konzentrieren können und eine Erkrankung der Niere vorliegt.Click To Tweet

Können Werte zwischen 1.008 und 1.015 gemessen werden, spricht der Tierarzt von der Isosthenurie. Zu diesem Zeitpunkt kann die Niere überhaupt nicht mehr konzentrieren und der Harn hat die selbe Dichte wie das Serum.

Da auch bei gesunden Tieren teilweise Werte zwischen 1.001 bis 1.060 gemessen werden können, sollten das spezifische Gewicht entweder mehrfach bestimmt werden und vor allem im Einklang mit dem Allgemeinzustand des Tiers betrachtet werden. In der Regel gibt es dann noch andere Hinweise auf eine Nierenfunktionsstörung.

Mikroskopische Untersuchung des Urinsediments

Für die mikroskopische Untersuchung werden 3-5 ml Urin zentrifugiert. Dabei setzen sich schwerere Inhaltsstoffe am Boden des Röhrchen ab und bilden das Sediment. Der Überstand wird abgeschüttet und unten bleibt das Sediment zurück, welches untersucht werden kann.

Im Sediment kann man Bakterien, Zellen und auch Harnkristalle sehen. Eine Bestimmung der Kristalle über die Form ist meist problemlos möglich. Um die Bakterien genauer zu bestimmen muss man eine Bakteriologische Untersuchung im Speziallabor anfordern.

 Michael D. Willard, Harold Tvedten: Labordiagnostik in der Kleintierpraxis

Bitte hinterlasse eine Antwort